Pfadfinden in der Sowjetischen Besatzungszone und der Deutschen Demokratischen Republik
Während die internationale Bewegung des Pfadfindens nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in den „westlichen Zonen bzw. in der Bundesrepublik Deutschland“ (Seidelmann, 1977, S. 145) wieder Fuß fassen konnte, war im Ostteil des Landes für eine solche pluralistische Kinder- und Jugendbewegung kein Platz. Trotz dieser politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen war es jedoch im Verborgenen möglich, jenseits der Pioniere und der FDJ als „Einheitsorganisation“ (Ahrens, 2015, S. 365) zu Fahrten und Lagern zu gehen.
Dies ist Gegenstand meiner nebenberuflichen Dissertation, die ich seit 2020 am Lehrstuhl für Sozialpädagogik und Außerschulische Bildung von Prof. Dr. Roland Merten an der Friedrich-Schiller-Universität Jena schreibe. Da das Thema bislang wissenschaftlich kaum bearbeitet wurde, wird die Arbeit deskriptiven Charakter haben. Zu den Quellen gehören neben Aufsätzen in populärwissenschaftlichen Büchern und Zeitschriften sowie Grauer Literatur auch Archivmaterial – und vor allem – Interviews, Aufzeichnungen und Fotos von Zeitzeug:innen.
Thematisch konzentriert sich die Untersuchung auf die aktive Gruppenarbeit, wobei sich ein zeitlicher Rahmen von 1945 bis 1961 ergibt. Geographisch fand diese vor allem in Ost-Berlin sowie in den Großstädten der DDR statt. Etwa dreißig Stämme, Siedlungen und Gruppen, die sich in überkonfessionellen, katholischen und evangelischen Bünden und Verbänden zusammengeschlossen haben und sich überwiegend als Teil der gesamtdeutschen Organisationen betrachteten, konnten es bis zu 15 Jahre lang schaffen, jenseits von Schule und Staatsjugend Freiräume für alternative Jugendarbeit zu finden.